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APA Pressemeldung am 8. Dez. 2008
Balken

Tauschen ist wieder modern

WIEN. Die Finanzkrise macht den Tauschhandel wieder populär. Rund 2.000 österreichische kleine und mittlere Unternehmen nutzen das Netzwerk von abc markets, um sogenannte clearing Geschäfte abzuwickeln.

Dabei werden Rechnungen nicht mit Bargeld, sondern mit Gegenleistungen beglichen. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Wiener Firma einen Teilnehmerzuwachs von 17 Prozent verzeichnet. Im Gegensatz zur Realwirtschaft gebe es innerhalb des Netzwerks momentan eine "rege Investitionstätigkeit", sagte abc markets Geschäftsführer Ernst Eisinger im APA-Gespräch.

Im vergangenen Jahr haben die abc markets Mitglieder 27.000 Tauschgeschäfte mit einem Volumen von 152 Mio. Euro getätigt. Die teilnehmenden Unternehmer kommen aus 360 Branchen - vom Tierarzt über den Steuerberater zum Autohändler sei alles dabei, so Eisinger. Das Konzept funktioniert folgendermaßen: Ein Pizzeria-Betreiber rechnet seinen Einkauf bei einer Computerfirma mit Verkäufen von Pizzen gegen. Beim Verkäufer werden die erbrachten Leistungen als Guthaben auf seinem "clearing Konto" verbucht, beim Käufer als Belastung. Das Guthaben kann dann wieder bei einem Netzwerk-Mitglied eingelöst werden. Bei Teilnehmern ohne Guthaben wird das Minus mit einer Bankgarantie besichert.

abc markets verdient ihr Geld dabei mit einer Jahresgebühr von durchschnittlich 2.500 bis 3.000 Euro je Teilnehmer. Sehr kleine Unternehmen können eine geringere Pauschale bezahlen, müssen aber dann pro Transaktion eine Provision von 3,5 Prozent abtreten. abc markets koordiniert Nachfrage und Angebot innerhalb des Netzwerks.

Eisinger will sein Unternehmen nicht als Möglichkeit zur Steuervermeidung verstanden wissen. Ein Drittel des Welthandels bestehe aus "clearing Geschäften" - von Kritikern auch Kompensationsgeschäfte genannt. Auch als "natürlicher Feind der Banken" sieht er abc markets nicht. Gerade in Krisenzeiten "sind gesunde Unternehmen auch gut für die Banken". Die Geldhäuser verdienen schließlich durch die von abc marktes verlangten Bankgarantien, so Eisinger. Außerdem erhöhe das Netzwerk die jetzt so wichtige Investitionsbereitschaft und verschaffe den Firmen damit Umsätze, die sonst nicht zu Stande gekommen wären.

In den kommenden 24 Monaten will Eisinger die Teilnehmerzahl verdoppeln und weitere Standorte in Deutschland aufbauen. Später könnten dann auch andere westeuropäische Länder folgen.

abc markets ist seit 1986 aktiv und betreibt derzeit 21 Niederlassungen in Österreich und Deutschland. Vor rund einem Jahr hat das Unternehmen von einem Franchise-System auf ein Geschäftsstellen-Modell umgesattelt.

Daneben will abc markets im Endverbrauchermarkt Fuß fassen. In Kärnten wurde im Rahmen eines Pilotversuchs bereits eine "Bonuskarte" eingeführt. Gewährt ein teilnehmender Händler einem Kunden Rabatt, zahlt dieser trotzdem den ganzen Preis, bekommt den Erlass aber als Bonifikation auf die Karte gebucht. Nach 24 Stunden kann das Guthaben dann bei einer Akzeptanzstelle eingelöst werden. 3,5 Prozent jedes Rabatts gehen an abc markets. Das System boome - vor allem bei Apotheken, so Eisinger. In Wien ist abc markets gerade dabei, einen Pool an Händlern aufzubauen. Geplant ist die Einführung der Karte in einzelnen Einkaufsstraßen.

Weltweit gibt es etwa 300 bis 400 Unternehmensnetzwerke wie abc markets. Ein bekanntes europäisches Beispiel ist die schweizerische WIR Bank. Auch die Raiffeisen-Genossenschaften beruhen auf einem ähnlichen Prinzip. Schätzungen zufolge werden jährlich mehr als 13 Mrd. Dollar (10,26 Mrd. Euro) über "clearing Geschäfte" abgewickelt.

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